In der Psychologie gibt es den Begriff der Re-Definition. Der Begriff bezeichnet die Fähigkeit zur Umstrukturierung und Neudefinition von bekannten Formen, Gegenständen oder Begriffen bzw. Mustern im Allgemeinen. Diese Fähigkeit machen sich vor allem Künstler zunutze, um aus bekannten Mustern Neues zu erschaffen. Man denke hier nur an die eindrucksvollen Bilder von Maurits Cornelis Escher. Auch in der Kunstherapie findet die Ausbildung und Stärkung dieser Fähigkeit Anwendung.
In Bezug auf kognitive Einschränkungen wie bei demenziellen Erkrankungen kann davon ausgegangen werden, dass die Veränderung der Musterwahrnehmung als – oft unerwünschte – Begleiterscheinung auftreten. Doch statt nun diese Veränderungen der Musterwahrnehmung zu unterdrücken: »Nein, Mama, das war doch ganz anders.«, oder: »Nein, Papa, das ist kein Pferd, das ist doch eindeutig eine Nähmaschine.«, um die durch Demenz eingeschränkte Person auf den richtigen Weg zu führen in der Hoffnung, sie bleibt der normalen Welt so lange wie möglich als die bereits bekannte Person erhalten, kann man sich und der betroffenen Person eben diesen Effekt der Redefinition zunutze machen.
Kinder verfügen über eine ähnliche Fähigkeit, weil sie im jungen Alter noch nicht den üblichen Beschreibungen der Welt der Erwachsenen unterliegen. Kinder sehen die Welt wirklich anders und lernen erst später, dass ein Baum eben ein Baum ist und kein geheimnisvolles Etwas, das auf wundersame Weise zum Spielen einlädt und die Möglichkeit schafft, die Welt aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen.
