Meine langjährigen Erfahrungen in der Menschenarbeit, insbesondere Sterbe- und Trauerbegleitung sowie als Buddhist und Künstler ermöglichen mir die nicht einfache Begleitung von Menschen mit Demenz sowie ihren Angehörigen.
Demenz ist – unabhängig von ihren bisher bekannten und unbekannten Ursachen und Begleiterscheinungen – immer auch eine Form der Änderung bis hin zum weitgehenden Verlust der Beschreibungen der Welt. Wir leben durch Geschichten. Geschichten lassen unsere Welt entstehen und bestehen. Jede Ansicht, jede Meinung, jede Überzeugung ist eine Geschichte über uns. Dass wir unsere Geschichten für mehr oder weniger unabhängig vom Geschichtenerzähler halten, ist ein Irrtum, über den uns die Demenz aufklären kann.
Demenz ist derzeit nicht heilbar. Mit Demenz kann und muss man umgehen und sie als Änderung bzw. fortschreitenden Verlust der Beschreibungen der Welt anerkennen. Im Alter und auch bei Demenz werden die Beschreibungen der Welt nach und nach unwichtig.
Jeder Ärger über die Demenz, über die Veränderungen im Erleben; jede Anklage, warum ausgerechnet uns das alles passiert; jede Verhandlung mit Gott, diesen Kelch an uns vorüber gehen zu lassen; jede Wut über die Endlichkeit des Lebens sind aus menschlicher Sicht verständlich, aber vergebens. Warum? Weil sie am Unvermeidbaren nichts ändern und uns ohne Hoffnung zurück lassen.
